Das war das

5. Osterkonzert des Bach Consort Wien 2018

 

Freitag, 23. März 2018 - 19:00 Uhr
Basilika Stift Klosterneuburg

 

Barocke Schätze - Musica sacra

Johann Sebastian Bach
Messe h-moll, BWV 232 - „Hohe Messe“ (ca. 1747-1749)

 

Rubén Dubrovsky, Leitung

Joanne Lunn
Luciana Mancini
Kristin Mulders
Cyril Auvity
Christian Immler

Bachchor Salzburg
Einstudierung Alois Glaßner

Bach Consort Wien

 

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„Bach ist Anfang und Ende aller Musik”

schrieb Max Reger im Jahre 1906. Unendlich viel ist über den gut 150 Jahre zuvor verstorbenen Johann Sebastian Bach - Säulenheiliger der Europäischen Musiktradition geschrieben worden, auf dessen Leben und Wirken alles aufbaut, was in der Musik seither geschaffen und erreicht wurde. Bedeutende Tonkünstler wie Mozart, Beethoven, Liszt, Schumann, Debussy, Berlioz, Wagner, Strawinsky, oder Schönberg verehrten ihn als Übervater und bezeichneten das Studium seiner als vollkommen angesehenen Werke als Schule, in der es alles notwendige und erstrebenswerte über die Musik zu lernen gäbe - “Studiert Bach, dort findet Ihr alles.” (Johannes Brahms). Und so erforschen, studieren und interpretieren nun schon viele Generationen von Wissenschaftlern, Komponisten und Musikern auf der ganzen Welt, alles, was uns von diesem hell leuchtenden Berg musikalischer Weisheit hinterlassen wurde.

Ganz besondere Aufmerksamkeit wurde dabei von Beginn an Bachs einziger Vertonung einer vollständigen Messe zuteil, welche als Messe h-moll bekannt ist. Alles an diesem Werk ist außergewöhnlich und viele Geheimnisse umhüllen es mit einer geradezu mystischen Aura. Wiewohl Bach aufgrund seiner zahlreichen Verpflichtungen ausschließlich anlassbezogen und äußerst zielstrebig komponierte, entstanden die Teile dieser Missa über Jahrzehnte hinweg, wobei von der Forschung bisher lediglich für einzelne, früh komponierte Elemente konkrete Anlässe identifiziert werden konnten.

Da die Vervollständigung der Messe außerdem erst 1749, in Bachs letztem Lebensjahr erfolgte, wird diese häufig als sein musikalisches Vermächtnis bezeichnet. Vieles spricht dafür, beinhaltet es doch neben zahlreichen Umarbeitungen früherer Werke, welche vom Komponisten selbst zum Teil als seine besten angesehen wurden auch Bachs vermutlich letzte vokale Neukomposition vor seinem Tod. Auch ist bis heute nicht geklärt, weshalb Bach als tiefgläubiger Lutheraner, dessen ganzes Wirken laut eigener Aussage dem Dienst an Gott gewidmet war, ausgerechnet eine katholische Missa als Schlussstein in die Kathedrale seines Schaffens einsetzte. Als ziemlich sicher gilt jedenfalls, dass Bach eine Aufführung der vollendeten Messe h-moll nicht mehr selbst erlebt hat.

Gerade jenes Werk, für das dem Meister von seiner Nachwelt der größte Ruhm zuteil werden sollte, hatte er selbst also vermutlich nie gehört. Auch sei gesagt, dass unter all dem, was über diesen Meilenstein der Musikgeschichte geschrieben wurde, kein einziges Wort vom Komponisten selbst zu finden ist. Außer der Musik an sich hat von Bachs Hand nichts die Zeiten überdauert, was mit der Messe zu tun hätte. Und so bleiben viele Fragen offen und Geheimnisse gewahrt. Sie bieten weiten Raum für Spekulationen und beflügeln so die Phantasie zahlloser Menschen, sich dem Koloss Bach und seiner großen Messe auf immer neuen Wegen anzunähern. Die Vielschichtigkeit und Komplexität von Werk und Komponist bieten hierbei so unerschöpflich viele Möglichkeiten, dass die Fußspuren jener, die sich auf ihn zu bewegt haben über die Jahrhunderte ein unüberschaubares Netz an Straßen und Wegen in die Topographie unserer musikalischen Welt gezogen haben.

Osterkonzert 2018 - Basilika Stift Klosterneuburg: Johann Sebastian Bach - Ladamus Te, Messe h.Moll BWV 232 | Rubén Dubrovsky; Luciana Mancini, Agnes Stradner, Bach Consort Wien

Der Weg, den das Bach Consort Wien unter Rubén Dubrovsky für dieses Konzert gewählt hat, führt über einige der zahlreichen Brücken, welche die Messe h-moll und ihr Schöpfer in vielerlei Hinsicht geschlagen haben. So kann die Erschaffung eines katholischen Monumentalwerks durch einen lutheranischen Kantor einhundert Jahre nach dem Ende des verheerenden 30-jährigen Krieges als ein Brückenschlag zwischen den Religionen gesehen werden. Auch wenn die Tiefe der durch so viel Gewalt gezogenen Gräben zwischen Protestanten und Katholiken heute nur noch aus der Geschichte erahnt werden kann, so genügt es doch, sich mit den aktuellen Geschehnissen in der Welt auseinander zu setzen, um festzustellen, dass sich die gesellschaftlichen Aufgabenstellungen in dieser Hinsicht kaum geändert haben und es damals wie heute enormer Anstrengungen bedarf, um Religionen und Weltanschauungen in konstruktivem Austausch und friedlicher Koexistenz zu halten.

Bach selbst hat diesbezüglich aber nicht nur auf musikalischer Ebene gewirkt, sondern war während seiner langen Dienstzeit als Leipziger Thomaskantor auch mit handfester Sozialarbeit befasst. Seine Dienstorte waren nämlich nicht nur Thomaskirche und drei weitere Leipziger Hauptkirchen, sondern ebenso die Thomasschule, in der Bach unterrichtete und außerdem mit seiner Familie lebte. Diese Schule war seit ihrer Gründung im Jahr 1212 eine Armenschule gewesen, deren Aufgabe darin bestand, Kinder durch Bildung aus ihrer Armut zu verhelfen. Die aufgenommenen Jungen wurden in den damals relevanten Wissensgebieten ausgebildet, was bei entsprechender Eignung auch eine intensive musikalische Ausbildung einschloss. Die derart geschulten Knaben bildeten denn auch den Kern der Kirchenmusiker, mit denen Bach seine Werke in den Kirchen auszuführen hatte.

Aus Schriftwechseln zwischen Bach und seinen städtischen Arbeitgebern wissen wir aber, dass der Thomaskantor immer wieder aufs Neue um Kleidung, Nahrungsmittel und Brennholz für seine Schüler bitten musste, um sie überhaupt für den Dienst in den ungeheizten Kirchen einsatzfähig zu halten. Wie viele Kinder Bach durch persönlichen Einsatz und Unterricht am Leben erhalten und aus der Armut geholt hat, lässt sich nicht sagen. Dass Schüler der Thomasschule auch noch mehr als einhundert Jahre nach dem Tod des bedeutendsten aller Thomaskantoren Andachten an dessen Grab abhielten, spricht jedoch eine eindeutige Sprache.

In diesem Sinne möchte das Bach Consort Wien mit dem Osterkonzert 2018 nicht nur die einzigartige Tonkunst der Messe h-moll für sich selbst sprechen lassen, sondern darüber hinaus auch jenen Geist vermitteln, mit dem Johann Sebastian Bach die Saat für so viel Gutes in der Welt ausgebracht hat.

Auch heute gibt es jene Menschen, die in unsere Zukunft investieren, indem sie Kinder von Armut befreien, ihnen ein Zuhause geben und durch Bildung Chancen auf ein freies, selbstbestimmtes Leben eröffnen. Die Menschen der CONCORDIA Sozialprojekte Privatstiftung haben sich genau dieser wichtigen Aufgabe verschrieben. Und so möchte das Bach Consort Wien seinem Namenspatron mit dem Osterkonzert 2018 in liebevollem Andenken die Ehre erweisen und mit Hilfe seines musikalischen Vermächtnisses jene unterstützen, deren helfende Hände dabei sind, Hoffnung und Liebe in die Welt zu tragen.

Text: Jakob Huppmann


DAS OSTERKONZERT 2018 IM TV


In ORF 2  ist die Konzertaufzeichnung am Ostersonntag, den 1. April um 9:05 Uhr, direkt vor der Messe aus Rom mit dem päpstlichen Segen „Urbi et Orbi“ zu erleben und auf 3sat (D,A,CH) am Ostermontag, den 2. April um 9:05 Uhr.
ORF III überträgt das Konzert am 10. Mai um 9:05 Uhr in der Matinee am Feiertag.


Das Klassikportal Fidelio (myfidelio.at) bringt das Osterkonzert 2018 bereits am Karsamstag, den 31. März um 19:30 Uhr.


Das Osterkonzert 2018 wird ermöglicht durch die Unterstützung der
BUWOG group und RUAG Space

 

Mit freundlicher Unterstüzung von

 
 

 
 

Gefördert durch das Land Niederösterreich


Den Ehrenschutz zum Osterkonzert 2018 haben freundlicherweise Landeshauptfrau Mag. Johanna Mikl-Leitner und Propst Bernhard Backovsky übernommen.


 
 

Eine Produktion von Viva!Classica
in Zusammenarbeit mit
Stift KlosterneuburgBach Consort Wien und ORF